The Colors of Music Cadzand-Bad / Het Zwin 2008

Im Rahmen der Tournee des sehr erfolgreichen Projekts “The Colors of Music” findet dieses Jahr die Zehnte Edition am Cadzand, hinter dem angestauten Kanal, statt. Vom 19. Juni bis zum 14. September entstehen dort 72 Bilder, die in der Form einer Ellipse von 26 x 35 Metern aufgestellt werden. Ein Projekt dieser Form hat Dirk Hakze das ersten mal auf Ameland gemacht. Vorherige Projekte mit kleineren Ausmaßen sind bereits auf den Inseln Ameland, Terschelling, Borkum, Vlieland, Texel und Norderney realisiert worden.

Das Konzept des Künstlers sieht vor, moderne klassische Musik in die Malerei zu integrieren. Vom Inneren der Ellipse aus bilden die Paneele ein visuelles Gesamtbild; von aussen betrachtet, lädt die Aufstellung zum Betreten der Ellipse ein. Das Publikum kann den Entstehungsprozess des Panoramas verfolgen und dem Künstler bei seinen Malbewegungen zuschauen. Die Musik, zu der Hakze malt, ist von den Zuschauern über Kopfhörer nachvollziehbar. Dabei ist die Lautstärke der Musik so eingestellt, dass die Zuschauer auch noch die Geräusche der Umgebung wahrnehmen können.

Die Musik, die Hakze für dieses Projekt ausgewählt hat, ist „La Mer“ von dem Französischen Komponisten Claude Debussy (1862-1918). Er war ganz wichtig für die Entwicklung der zeitgenössischen Musik. Um die repräsentative Gattung der Symphonie hat Debussy, stets ein Anti-Akademiker, einen Bogen gemacht; verpflichtende Traditionen waren ihm suspekt. Unter den wenigen Orchesterwerken Debussys ist „La Mer“ (1903-1905) das einzige, das einer dreisätzigen Symphonie nahekommt, doch schon der vorsichtige Untertitel Esquisses symphoniques (Symphonische Skizzen) stellt die beabsichtigte Distanz klar. Obwohl Debussy auch mit Assoziationen an inhaltliche Vorstellungen komponiert, wird in „La Mer“ kleine Handlung erzählt; man hat eher den Eindruck, die Musik selbst habe Naturhaftes angenommen. Die Aufführung, die Hakze fúr dieses Panoramaprojekt benutzt, ist vom „The Cleveland Orchestra“ unter Leitung von Pierre Boulez.

Was die malerische Umsetzung angeht, lässt Hakze sich nicht ausschließlich von der Musik von Claude Debussy inspirieren. Er lässt auch die Landschaft, das Wetter, und die Natur auf sich einwirken. Zuerst werden auf den weissen Paneelen in hellen Farben Landschaftslinien angebracht, die aus dem Rhythmus der Musik entstehen. Diese expressive Malerei fungiert als tragende Basis für die visuelle Umsetzung der Musik. Die Darstellung der Horizonte auf den einzelnen Bildern spiegelt nicht nur das Volumen des Orkesters wieder, sondern lässt auch die Gezeiten des Meeres und die Bewegungen der Luft ineinander fließen. Auch die Geräusche aus der Umgebung spielen bei der Entstehung des Panoramas eine Rolle.

Das Panorama ist visuell eine grosse Einheit; die Paneele, die das Panorama bilden, sind aber auch als selbstständige Kunstwerke zu sehen und können daher auch individuell erworben werden. Die Bilder werden mit Acrylfarbe auf wasserfeste Holzpaneele, in den Formaten 122 x 122 cm und 100 x 122 cm, gemalt.

Die Idee zu diesem Projekt entstand vor zwanzig Jahren, als Hakze die Austellung “Vom Klang der Bilder” in Stuttgart besuchte. Damals wurde sein Interesse geweckt, Kunst und Musik zu verbinden. Auch in Dirk Hakze´s autonomen Arbeiten ist häufig der Einfluss von Musik spürbar. 1987 begann er Performances, bei denen er zusammen mit anderen Künstlern auf der Bühne von großen Jazz-, Blues-, und Popkonzerten malte. Dirk Hakze trat unter anderem bei Konzerten von James Brown, Miles Davis, Carlos Santana, John Lee Hooker, Van Morrison, Curtis Mayfield und King Sunny Adé auf. Neben seinen land-art Projekten hat Dirk Hakze in den vergangenen Jahren auch eine Reihe großer Aufträge im städtischen Umfeld realisiert. Er hat sich dabei auf die Bemalung größerer, meist öffentlicher Gebäude sowie die Errichtung von Monumenten spezialisiert.